PST!

Dimæ | Marguerite Kalt | Yeun-Kyung Kim

28. März bis 3. Mai 2026 | Eröffnung 27. März | 19 Uhr

Ausstellungsansicht von "PST!". links eine rote Neonschrift pst!, rechts hinten ein umgebauter Bürostuhl mit Latexbezug und Kopfhörern aus denen Aufnahmen von Warteschleifen abgespielt werden

Fotos: Marc Doradzillo

Ausstellungsansicht mit Arbeiten der drei Künstlerinnen Dimæ (hängende Videoinstallation), Marguerite Kalt (mit Latex Bezogener Bürostuhl), Yeun-Kyung Kim (Installation mit 28 Händen aus Kristall und Kupfer und eine zweite Installation mit Gläsern in der das Wort "Ende in verschiedenen Sprachen steht)

Es gibt so etwas wie Stille nicht. Was wir Stille nennen, ist voller Geräusche, voller Klänge, die wir nicht hören wollen.“— John Cage 

In einer Welt, die von Lärm, spektakulären Bildern und unaufhörlichem Diskurs übersättigt ist, verblassen manche Stimmen – nicht wegen fehlender Sprache, sondern wegen eines Überflusses an Geräuschen. Diese Art von Stille ist keine Leere, sondern ein Verschwinden inmitten der sie umgebenden Kakophonie. Diese stillen Momente sind schwer wahrnehmbar und gehen leicht verloren oder werden ausgelöscht. Inspiriert von dem Laut „pst!“, der sowohl dazu dient, jemanden zum Schweigen zu bringen als auch Aufmerksamkeit zu erregen, bietet die Ausstellung eine alternative Darstellung der Stille durch Materie, Bewegung, Erzählungen und Bilder, die sich überlagern, um das zu beleuchten, was sich der Sprache entzieht. Hier wird Stille zu einer aktiven Geste – zu einem Akt des Widerstands, einem Raum der Aufmerksamkeit und einem Material, das geformt und verwandelt werden kann.

Ausstellungsansicht vorne eine Videoinstallation von DIMÆ, Projizierte Hände auf zwei im Raum hängenden Leinwände

DIMÆ
Untitled (for Hands); Videoprojektion, Holzrahmen-Leinwand, Stoff, 2026

Während wir sprechen, bewegen sich unsere Hände – flüchtig, unbewusst, jenseits der Reichweite von Worten. Befreit von der Sprache, offenbaren diese Gesten eine eigene Präsenz: bewohnt statt verstanden, bezeugt statt interpretiert. In dieser Arbeit wandern Gesten, die von verschiedenen Menschen gesammelt wurden, von einem Körper zum anderen. Durch den eigenen Körper erkundet die Künstlerin ihre Durchlässigkeit — sie kreuzen und atmen miteinander in einer stillen Choreografie.

Ausstellungsansicht mit dem Kunstwerk "SILENT SLOGAN" von Yeun-Kyung Kim im Vordergrund: Kristallhände auf dem Boden, die einen Finger emporstrecken und der durch Elektrolyse mit Kupfer überzogen ist
Foto: Marc Doradzillo

YEUN-KYUNG KIM
SILENT SLOGAN, 28 Hände aus Kristall mit Kupferelektrolyse, 2022 

Silent Slogan zeigt 28 aus Kristall gefertigte Hände in der Geste eines erhobenen Arms mit ausgestrecktem Zeigefinger und geschlossener Faust. Die transluzenten und leuchtenden Kristallhände scheinen zum Himmel aufzusteigen und erzeugen ein Bewegungsgefühl, das unseren Platz und unsere Fähigkeit hinterfragt, für unsere Überzeugungen einzustehen.

Ausstellungsansicht der Arbeite "Untitle (The End)" von Yeun-Kyung Kim

YEUN-KYUNG KIM
UNTITLED (THE END);  87 Fenstergläser, Glaspulver-Siebdruck, 42 × 30 × 0,4 cm, 2020 

Das Wort „Ende“ in 87 verschiedenen Sprachen, jeweils eine auf jedem Glas.

Ausstellungsansicht der Installation "Salt doesn‘t burn" von MAGUERITE KALT

MAGUERITE KALT
Salt doesn‘t burn; Salzkristalle, gläserne Salzstreuer, Stoff, Holz, Paraffinwachs, Videoprojektion, Amateurarchivfilme der Filmbibliothek MIRA, 2025 
 
Salt doesn‘t burn ist eine Installation über Verlust, Erinnerung und Trauer, die das Salz unserer Tränen beschwört. In einem elsässisch inspirierten Interieur zeigen die Videoarbeiten — auf mit Salzkristallen beschichtete Rahmen projiziert — eine fiktive Stadt in Flammen, unter Verwendung von Archivaufnahmen von Bränden und Abrissen aus den 1970er und 80er Jahren. Die Installation reflektiert die Zerbrechlichkeit des kollektiven Gedächtnisses  — insbesondere da Archivmaterialien wie Papier und Film von Natur aus brennbar sind — und betont die Bedeutung der Orte, die uns zusammenbringen, uns Schutz bieten und unsere Geschichte tragen.

MAGUERITE KALT 
On hold; Latex, Bürostühle, Audio, Kopfhörer, 2026 

On hold ist eine Audioinstallation, die ein Warten inszeniert, das niemals endet. Zwei Bürostühle, mit Latex bezogen, stehen sich gegenüber — auf einem von ihnen ist der Schatten eines Körpers 
gemalt. Allgegenwärtig sind die Momente des Wartens zwischen jedem Ende und jedem Anfang. Es sind die Lücken zwischen zwei Worten, in denen sich das Ungesagte anlehnt. Diese Zwischenmomente offenbaren die Machtdynamiken zwischen denen, die warten, und denen, die andere warten lassen. Doch die Hoffnung, dass irgendwann etwas geschehen wird, und die Möglichkeit, sich vorzustellen, was kommen wird, bleiben stets bestehen. Auf diese Weise eröffnet das Warten neue Möglichkeiten — es lässt uns Geschichten erfinden.