Größtes Bauprojekt der Stadt geht los

Baubeschluss für Schulcampus Dietenbach gefasst

Visualisierung „Haupteingang“: MBPK Architekten und Stadtplaner GmbH
(Visualisierung „Haupteingang“: MBPK Architekten und Stadtplaner GmbH)

Der Gemeinderat hat den Baubeschluss für den Schulcampus Dietenbach gefasst und damit grünes Licht für das bislang größte Schulbauprojekt der Freiburger Stadtgeschichte gegeben.

Der Schulcampus Dietenbach wird aus einer Gemeinschaftsschule für die Klassenstufen 1-13 bestehen. Die 6-zügige Grundschule soll die Heimat von 600 Schüler*innen werden. Die 4-zügige Sekundarstufe 1 wird rund 720 Schüler*innen und die 2-zügige Sekundarstufe 2 rund 180 Schüler*innen umfassen. Insgesamt geht es also um rund 1.500 Schüler*innen. Zum Vergleich: Freiburgs aktuell größte Schulen, die Staudinger-Gesamtschule und das Wentzinger-Gymnasium, haben jeweils rund 1.200 Schüler*innen.

An eine Gemeinschaftsschule werden andere Anforderungen gestellt als an klassische „sortenreine“ Schulen (Realschule/Gymnasium). Hier geht es nicht (mehr) um klassischen Unterricht und Notengebung. Vielmehr rücken Lernentwicklungsberichte, Coaching-Gespräche und eine individuelle Förderung auf verschiedenen Leistungsniveaus in den Vordergrund.

Der Schulcampus als erste und größte Hochbaumaßnahme wird eine Signalwirkung auf die künftige Entwicklung haben und steht sinnbildlich für unsere Ziele im neuen Stadtteil Dietenbach: Eine vorbildliche Schule mit gelungener Architektur verbunden mit einem sehr guten Freiraumkonzept und eine Realisierung in Holzhybridbauweise.

Erster Bürgermeister Martin Haag

Hierfür werden entsprechende Räumlichkeiten benötigt, also offene, flexible Lernlandschaften statt starrer Klassenzimmer. Es wird Räume für Gruppenarbeit, Rückzug und Coaching geben, Schüler*innen können einzelne Räume nach Bedarf nutzen. Die Flächen sind nicht mehr der Schule bzw. dem Ganztagsbetreuung zugeordnet – sie sollen flexibel und multifunktional genutzt werden. Dieser Ansatz spiegelt sich auch im jeweiligen Fachbereich wider; die passenden Stichworte dazu lauten „offene Werkstatt“, Kunstatelier (offen und nach Nutzung gegliedert), Musikbereich mit Klangstudios.

Damit verfolgt der Schulcampus drei übergeordnete Ziele: Er soll die individuelle Entwicklung fördern, die Gemeinschaft stärken und die Selbstverantwortung fördern. Beim pädagogischen Konzept erfährt das städtische Amt für Schule und Bildung (ASB) Unterstützung unter anderem durch die ehemalige Leitung der Anne-Frank-Schule (für die Grundstufe), durch die stellvertretende Schulleiterin der Adolf-Reichwein-Schule, durch die Schulleitung der Hardtschule Durmersheim und durch das Staatliche Schulamt.

Die Gemeinschaftsschule ist ein zukunftsweisendes Projekt für unsere Bildungslandschaft. Sie schafft einen Lernort, an dem Kinder und Jugendliche unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen gemeinsam lernen, ihre Stärken entfalten und bestmöglich gefördert werden. Gerade die hohe Nachfrage in unserer Stadt zeigt, dass viele Familien dieses pädagogische Konzept überzeugt und sich eine Schule wünschen, die Leistung, Chancengerechtigkeit und persönliches Wachstum miteinander verbindet.

Schulbürgermeisterin Christine Buchhei

Als Inspiration diente die Besichtigung mehrerer bestehender Gemeinschaftsschulen (Vigeliusschule II, Alemannenschule Wutöschingen, Christliche Schule im Hegau, Neulindenschule in Ihringen und Hardtschule in Durmersheim), aber auch Besuche mehrerer Schulbaumessen und Veranstaltungen der Montagsstiftung. Das Münchner Lernhauskonzept hat ebenso zur Inspiration beigetragen. Zudem fand im September 2020 ein öffentliches Hearing im Bürgerhaus Seepark statt.

Eines der Ziele in Dietenbach ist die Entwicklung eines inklusiven Stadtteils, bei dem soziale Teilhabe und die Berücksichtigung vielfältiger Bedürfnisse und Lebenssituationen für alle Nutzenden im Vordergrund stehen. So soll der Schulcampus eine inklusive Schule für alle Kinder werden, unabhängig von Herkunft, Leistungsniveau oder Förderbedarf. Größte Besonderheit in der Planung war, dass es bisher weder eine Schulgemeinschaft noch eine Schulleitung gibt. Darum arbeitet das ASB mit pädagogischen Berater*innen zusammen, die aus Praxissicht beraten und bewerten können.

Zweite Besonderheit wird die norm-ungebundene Bewegungshalle. Sie soll ein niederschwelliges Bewegungsangebot schaffen, mit dem Fokus auf Spaß an Bewegung und Selbstinitiative. Sie wird flexibel nutzbar und durch einen Trennvorhang in zwei Bereiche gliederbar. Ein Rundlauf zwischen erster und zweiter Ebene dient als kontinuierlicher Bewegungs-Parcours. Vielfältige Halte- und Befestigungsmöglichkeiten und eine feste Boulderwand schaffen in diesem Bereich eine dauerhaft nutzbare Bewegungslandschaft für alle.

In Bauweise und Energiekonzept folgt das IMF den bewährten Freiburger Standards. Geplant sind Holz- bzw. Holzhybridbauten mit zentralen Versorgungskernen aus Stahlbeton. Die Fassade wird aus Weißtanne bestehen. Die zentrale Lüftungsanlage wird durch Fensterlüftung unterstützt, die Beheizung und Temperierung erfolgt durch das Wärmenetz des Stadtteils. Die Schuldächer werden extensiv begrünt und mit PV-Anlagen bestückt, weitere Fassaden-PV kommen an die Sporthallen (insgesamt 1.620 kWp). Zur Erhöhung der Eigenverbrauchsquote wird ein Batteriespeicher (350 kWh) eingerichtet. Als Bedingung für Förderung, aber auch zur Qualitätssicherung werden alle Gebäude nach DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) zertifiziert.

Für die Auslobung hat sich das Immobilienmanagement (IMF) auf das Raumprogramm des Landes bezogen. Entsprechend werden (im Gegensatz zur Mehrzahl bisheriger Schulbauten) alle Flächen genutzt. Bisher sind sogenannte Flurschulen die Regel. In der vorliegenden Planung gehen die Flächen dagegen durch ein offenes Konzept ineinander über; Abschläge für Flurflächen sind nicht mehr nötig.

Aus der Schulbauförderung rechnen ASB und IMF mit bis zu 30 Millionen Euro vom Land. Hierzu laufen noch Gespräche zwischen der Schulverwaltung und dem Regierungspräsidium. Außerdem wird eine KfW-Förderung von 1,4 Million und eine Sportstättenforderung von rd. 1 Million Euro angenommen. Alle Anträge werden zu erforderlicher Zeit gestellt.

Die Ausstattungskosten betragen laut Vorlage für den Baubeschluss 13,75 Millionen Euro. Diese Kosten sind in der Sonderrechnung Dietenbach enthalten. Sie fallen sukzessive ab 2028 bis zur vollständigen Belegung der Schulgebäude an, auch über die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts hinaus (die Ausstattung wird nicht auf einen Schlag mit der Inbetriebnahme bestellt, sondern passend zum Aufwuchs der Schüler*innen).

Die Folgekosten taxiert das ASB für die Schulverwaltung anfangs (Jahr 2030) auf rd. 50.000 Euro, später aufwachsend auf 286.100 Euro (ab 2032). Die Ganztags-Betreuungskräfte werden in der Grundschule anfangs rd. 29.000 Euro kosten, später aufwachsend bis rd. 409.000 Euro (ab 2034). In der Sekundarstufe I ist anfangs mit rd. 60.000 Euro zu rechnen, später aufwachsend auf rd. 465.000 Euro (ab 2034).

An Baukosten veranschlagt die Stadtverwaltung für den Schulcampus Dietenbach rund 160 Millionen Euro; mit Baukostensteigerungen ist bis zur tatsächlichen Fertigstellung von 186,5 Millionen Euro auszugehen, zuzüglich der benannten Ausstattungskosten. Der Kostenunterschied zur Staudinger Gesamtschule, deren Gebäude 2025 fertig gestellt wurden und die insgesamt 110 Millionen Euro gekostet hat, erklärt sich dadurch, dass hier zusätzlich eine herkömmliche Drei-Feld-Halle wie auch eine normungebundene Zwei-Feld-Halle (Bewegungshalle) gebaut werden. Außerdem ist die Staudinger deutlich kleiner (rund 1.200 Schülerinnen).

Nach dem Baubeschluss im Gemeinderat wird das IMF schon in diesem Jahr das Gelände vorbereiten, um im nächsten Jahr mit dem ersten Bauabschnitt zu beginnen. Zum Schuljahr 2030/2031 soll das größte Bauprojekt der Stadt dann seinen Betrieb aufnehmen.

Veröffentlicht am 20. Mai 2026