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KiöR Gutleutmatten

#5 FREEWHEELING

Sven-Julien Kanclerski

Eröffnung: Sonntag, 20.9.2026, 11 UhrPlatz in der Arne Torgersen Straße, Freiburg-Gutleutmatten

#5 FreewheelingSven-Julien Kanclerski20.9.2026, 11 Uhr
Der freie Lauf, das Rollen ohne Antrieb, das Sich-Bewegen zwischen Kontrolle und Loslassen. Freewheeling beschreibt einen Moment, in dem Bewegung entsteht, ohne dass aktiv Kraft aufgewendet wird. Der Begriff steht für Unabhängigkeit, Experimentierfreude und eine Haltung, die sich bewusst über etablierte Regeln hinwegsetzt. Wortwörtlich bezeichnet er das Fahren eines Fahrrads im Leerlauf, sodass es rollt, auch wenn nicht mehr in die Pedale getreten wird.

Die Intervention #5 Freewheeling lädt dazu ein, alltägliche, vertraute Objekte, denen wir sonst wenig Aufmerksamkeit schenken, neu wahrzunehmen. Durch die Verfremdung eines alltäglichen, vor allem in Freiburg allgegenwärtigem, Gebrauchsgegenstands lenken die Arbeiten von Sven-Julien Kanclerski den Blick auf das Fahrrad als kulturelles, sowie persönliches Objekt. So fallen Konstruktion, Farbigkeit, das minimalistisch-grafische Design der Rahmen, die Gebrauchsspuren und Patina auf und gleichzeitig, beim genauen Hinschauen auch die Eingriffe des Künstlers. Sofort entsteht eine Verbindung zum eigenen Körper sowie ein performativer Moment: Würde es mir gelingen, das Fahrrad zu besteigen? Wie müsste ich in die Pedale treten, wie lenken, um vorwärtszukommen?
Sven-Julien Kanclerski widmet sich in seiner künstlerischen Praxis oft technischen und infrastrukturellen Objekten unserer Gegenwart. Er untersucht, wie sich funktionale Alltagsgegenstände durch verschiedene Eingriffe verändern lassen. Dabei überführt er Elemente aus der Customizing-Kultur und verschiedenen Subkulturen in einen künstlerischen Kontext und entwickelt aus industriell gefertigten Objekten individuelle Formen zwischen Skulptur, Design und Gebrauch.
 
Das Fahrrad ist dabei einen wiederkehrendes Objekt. Es steht für Mobilität, Selbstbestimmung und ein Erleben von Freiheit. Gleichzeitig wird es oft durch persönliche Anpassungen und kreative Eingriffe immer wieder neu gestaltet. Kanclerski greift diese Kultur der Aneignung auf und verändert Fahrradteile, Proportionen und Funktionen, sodass die ursprüngliche Zweckmäßigkeit zugunsten ästhetischer und humorvoller Umformungen zurücktritt. Die Skulpturen setzen dabei Bewegung nicht außer Kraft, sondern verlagern sie, aus dem Fahrrad wird ein Anlass, vertraute Abläufe und die Vorstellung davon, wie Dinge "funktionieren", neu zu denken.
 
 
 
Sven-Julien Kanclerski (*1988 in Langenhagen), lebt und arbeitet in Hannover.